Großeinsatz in Aachen

Aachen. Am vergangenen Wochenende beteiligte sich das Jugendrotkreuz mit professionellen Notfalldarstellern an der Großübung auf dem Reiter-Gelände in der Aachener Soers. Dort finden in den kommenden Tagen und Monaten das CHIO-Turnier sowie die Weltreiterspiele statt.

Mit 17 Mitgliedern des Jugendrotkreuzes im DRK Kreisverband Jülich ging es Samstag um acht Uhr auf den Weg zum Stadion, denn eine gestellte Bombenexplosion auf der Prominententribüne sollte den Katastrophenschutz in und um Aachen auf die Probe stellen. Aber was nutzt ein simulierter Knall ohne die dazugehörigen „Opfer“? Unter den 400 Statisten befanden sich 60 so genannte Notfalldarsteller. Diese bestanden auch aus Schülern und Schülerinnen des Jugendrotkreuzes Jülich/Linnich.

Bei den Vorbereitungen für die Übung wurden die „Opfer“ professionell geschminkt. Ob Schürfwunden, Knochenbrüche, extreme Verbrennungen oder sogar eine Durchspießung durch einen Baumast – jede erdenkliche Verletzung wurde passend zum Szenario dargstellt. Dazu benötigt man ein geschultes Auge, Kunstblut, Knete, Sprühfarben, Plastikknochen und Latex. Extrem realistisch, aber nicht effekt-hascherisch wurden die letzten Verletztenmuster gestellt, bevor die Großübung begann.

Um 10.15 Uhr detonierte dann der Sprengsatz. Wie auf Knopfdruck schwang der kräftige Jubel der Zuschauer in lautes Geschrei um. Nachdem die unverletzten Personen vom Sicherheitspersonal evakuiert worden waren, blieb ein grausames Bild mit den teilweise Schwerverletzten zurück. Langsam aber sicher rückten Rettungskräfte aus der Umgebung heran. Das laute Gerufe nach Hilfe, das viele Tropfen des Kunstblutes und die herausklaffenden Knochenstücke ließen den ein oder anderen Helfer eine Gänsehaut bekommen. Unter kritischer Beobachtung der Übungsleitung wurden die Mimen aus dem Gefahrenbereich gerettet. Die sinkende Überlebenschance der Opfer wurde genauso realistisch dargestellt wie das Erbrechen einiger Schockpatienten (mit Hilfe von Babybrei).

Dabei erwiesen sich panisch umherlaufende Jugendrotkreuzler als besonders kompliziert „einzufangen“. Wie im Realfall wurden die zu hunderten anwesenden Rettungskräfte (zwischenzeitig auch aus Jülich, den Niederlanden und Belgien herbeigeeilt) von den Verletztendarstellern angeschrieen und angefleht. Das Ende der Schauspielkunst war erst mit dem Eintreffen mit Blaulicht in den umliegenden Krankenhäusern erreicht. Bis zur letzten Minute haben die ehrenamtlichen Verletztendarsteller durchgehalten, wobei die letzten Opfer erst nach vier Stunden in ein Krankenhaus gelangten. Da Jugendrotkreuzler in der Regel über ein sanitätstechnisches Wissen verfügen, können sie die Handgriffe der Helfer akribisch beobachten und bewerten.

Schon seit längerem ist die Gruppe überregional für die besonders raffinierten Szenarien bekannt. Mit regelmäßigen Aus- und Fortbildungen sowie immer neuen Ideen stellen JRKler mit viel Spaß die verletzten dar. Ob bei jährlichen Großübungen in Köln, Remscheid und Düren oder Evakuierungsübungen im Linnicher Krankenhaus und im Rahmen der Vorbereitungen zur Fußballweltmeisterschaft 2006 – die realistischen Notfalldarsteller sind heutzutage aus keiner Übung mehr wegzudenken. Somit leistet das Jugendrotkreuz (übrigens aktiv in Jülich, Linnich, Aldenhoven, Titz, Stetternich und
Inden) einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Zivilbevölkerung – in der Hoffnung, dass der Realfall nie eintreten wird …
 

Daniel Bartel

 

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